Der Wohlstandsbürger wirft pro Jahr 82 kilo Lebensmittel weg. Beim Lichtmess-Frühstück der Landfrauen geht es um den Wert der Nahrung.
„Es fehlt an Kompetenzen im Umgang mit Lebensmitteln.“
Daniela Schweikhart vom Landwirtschaftsamt
LAUPHEIM – „Schmeck’ den Wert, die Region und die Saison“: Dazu haben die Landfrauen des Kreisverbands Sigmaringen-Biberach am Dienstag beim Lichtmess-Frühstück im Laupheimer Rathaus aufgefordert.
Er hätte die Landfrauen gern in einem schöneren Ambiente empfangen, sagte der Hausherr Rainer Kapellen, doch das Rathaus sei eben schon in die Jahre gekommen. Dem Informationsgehalt der Veranstaltung tat dies jedoch keinen Abbruch.
In einem Impulsvortrag fragte die Haushalts- und Ernährungsfachfrau Daniela Schweikhart vom Landwirtschaftsamt Biberach nach dem Wert der Lebensmittel in einer Gesellschaft, die in Deutschland pro Kopf und Jahr 82 Kilogramm Obst, Gemüse, Backwaren und andere schnell verderbliche Waren wegwirft.
Umgerechnet auf die Arbeitszeit würden somit 114 000 Menschen umsonst arbeiten. „Es fehlt an Kompetenzen im Umgang mit Lebensmitteln“, stellte Schweikhart fest. Einkäufe planen, Lebensmittel richtig lagern und auf Regionalität und Saisonalität achten, dies alles müsste den Verbrauchern wieder nähergebracht werden.
Ein emotionaler Bezug zur heimischen Landwirtschaft sei dafür die Grundlage. Es gehe auch nicht um die Menge dessen, was man isst, sondern um den bewussten Genuss. Den Vortrag ergänzte eine Podiumsdiskussion zum Thema Lebensmittel. Regionale und jahreszeitlich verfügbare Lebensmittel verarbeitet Elfriede Elser mit ihren Kolleginnen vom Partyservice der Riedlinger Landfrauen. Auch sie findet: „Aufklärung tut Not“. Sie plädiert für die Einführung eines Schulfachs „Alltags- und Lebensökonomie“, um den Bezug zu den Grundnahrungsmitteln in einem Großteil der Bevölkerung wieder herzustellen. Lebensmittelverschwendung sei ganz klar ein Wohlstandsproblem, bestätigte Gerhard Glaser, Vorsitzender des Kreisbauernverbands und Landwirt, die Vermutung der Moderatorin Sabine Schmidt. „Wären die Lebensmittel teurer, wäre die Verschwendung geringer.“
Als Nahrungsmittelerzeuger empfinde er es als eine Ohrfeige, wenn Lebensmittel in der Tonne landen. Den Anspruch der Verbraucher, alle Backwaren bis zum Ladenschluss frisch im Regal vorzufinden, hält der Bäckermeister Stefan Mast vor allem in den Vorkassenbereichen der Supermärkte für problematisch. In seinem Laden würden es die Kunden akzeptieren, wenn spät am Nachmittag nicht mehr alles da sei.
Dank der Nähe von Backstube und Laden sei er in der Lage, mehrmals am Tag Frischgebackenes zu liefern. Aus Großhändlersicht beleuchtete Bernhard Fiderer von Utz Lebensmittel Ochsenhausen das Thema: „Wir sind bestrebt, keine Ware wegzuwerfen.“ Seine Kollegen und er seien verpflichtet, Ware mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum abzuverkaufen.