Internationale Grüne Woche 2014
12 Dorfläden 10 Tage in Berlin aktiv „Engagierte Bürger
sind beste Lebensversicherung für die Dörfer“
„Zukunftsmodell Dorfladen von Bürgern für Bürger“ war der Titel eines Ausstellungsstandes bei der „Grünen Woche“ 2014 in Berlin. Während der zehn Messetage wurden über 400.000 Besucher gezählt.
Auf Einladung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) präsentierten sich zum ersten Mal 12 Dorfläden sowie fünf Lebensmittel-Großhändler der „Nahversorgungs-Offensive“ aus insgesamt fünf Bundesländern. Aus Baden-Württemberg war die Firma Utz, Lebensmittel-Großhandel aus Ochsenhausen mit den Dorfläden aus Ettenbeuren (Landkreis Günzburg ) und Heising (Landkreis Oberallgäu) in Berlin aktiv.
In der Halle 4.2. „Lust aufs Land“ präsentierten die engagierten Vertreter der von Bürgern oder Kommunen geführten Dorfläden ihre Konzepte, Ideen und Erfahrungen. Schließt der letzte Kaufmann im Dorf seinen Lebensmittelladen, krempeln immer öfter engagierte Bürger, Kommunalpolitiker und Bürgermeister die Ärmel auf, um mit einer Selbsthilfeeinrichtung die Nahversorgung und die Lebensqualität für die Menschen auf dem Lande zu sichern.
Die Zahl der Dorfläden „von Bürgern für Bürger“ wird bundesweit auf 200 geschätzt Tendenz steigend; davon beliefert die Firma Utz gemeinsam mit Kollegenfirmen aus Baden-Württemberg und Bayern allein über 70.
Das 2004 in Niedersachsen gegründete Dorfladen-Netzwerk mit dem Internetportal www.dorfladen-netzwerk.de organisierte den Messeauftritt in Berlin. An jedem Messetag wurde das Thema „Sicherung der Nahversorgung durch Bürgerengagement“ auf der LandSchau-Bühne diskutiert. Teilnehmer der täglichen Gesprächsrunden waren Vorstände und Mitarbeiterinnen von Dorfläden, die fünf Geschäftsführer der beteiligten Lebensmit-telgroßhandlungen, Dr. Renate Vogelsang vom Bundesministerium, Fachleute von Landesministerien, Bürgermeister und die beiden Sprecher des Dorfladen-Netzwerkes, Wolfgang Gröll aus Starnberg und Günter Lühning aus Otersen.
Aus Süddeutschland zählten Rainer Utz, Geschäftsführer Utz Lebensmittel und Berthold Ziegler, Bürgermeister und Geschäftsführer Dorfladen Heising zu den Gesprächsteilnehmern auf der LandSchau-Bühne.
Die Herren waren mit Verkäuferinnen aus den Dorfläden auf dem Messestand des Dorfladen-Netzwerkes aktiv und führten zahlreiche Gespräche mit interessierten Einwohnern, Vereinsvertretern, Bürgermeistern, Regionalplanern sowie Landtags- und Bundestagsabgeordneten. Gleich am ersten Messetag wurde der Dorfladen-Stand vom damaligen Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied, Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und EU-Verbraucherschutz-Kommissar Tonio Borg besucht.
Am letzten Tag der weltgrößten Ernährungsmesse zog Günter Lühning eine erste Bilanz: „Wir wollen nicht Tante Emmas Asche konservieren, sondern unsere Dorfläden mit Ideenreichtum zunehmend zu multifunktionalen Nahversorgern weiterentwickeln.
Das Netzwerk der Dorfläden zwischen Nord- und Ostsee und dem Allgäu ist in Berlin näher zusammenge-rückt und hat sich in Berlin als lebendige Organisation dargestellt. Der Erfahrungsaustausch soll weiter vertieft werden, damit die Dorfläden nachhaltig erfolgreich sein können“.
Diskutiert wurde in Berlin nach dem zweitägigen „Zukunftsforum Ländliche Entwicklung“ auch über die Frage „Landflucht oder Landfrust“. „Die Menschen auf dem Lande sind gut beraten, sich für ihr Dorf und die eigene Lebensqualität gemeinsam zu engagieren. „Engagierte Bürger sind die beste Lebensversicherung für unsere Dörfer“, antwortete Rainer Utz auf eine entsprechende Frage von Moderatorin Petra Schwarz.